„3976m“ Acatenango

Schon seit Monaten habe ich dieses Erlebnis im Hinterkopf. Hoch auf den Vulkan Acatenango um den direkt daneben liegenden aktiven Fuego ausbrechen zu sehen.
Sarah fand diese Idee überhaupt nicht gut. Wir haben uns im Vorfeld über diese Tour informiert und dachten, dass wir es rein körperlich nicht schaffen können. Seitdem wir hier in Antigua sind treffen wir jeden Tag Leute aus aller Welt die uns von dem Erlebnis berichten. Alle und ich meine wirklich alle sagen, es war das härteste, aber auch geilste Erlebnis überhaupt. Der Gedanke „sich da hoch zu schleppen“ gefiel Sarah jeden Tag ein Stück mehr. Als wir dann an einem Abend bei gutem Wetter den Vulkan sogar von unserer Terasse aus ausbrechen sahen, wussten wir das wir es versuchen werden. Neben der Spanischschule welche wir hier besuchen und den Hausaufgaben, beschäftigten wir uns also damit, mit welchem Anbieter wir diese Tour machen. Es gibt hier nämlich gefühlt 150 davon. Als wir einen gefunden und gebucht haben waren wir total gespannt. Vorallem gespannt ob wir es körperlich schaffen. Die meisten wissen ja das wir jetzt nicht so die Wanderer sind. Der Anbieter verlangt ca. 400 Quetzales p.P. Das sind ca. 45€. Dieses beinhaltet die Tour mit Guides, Drei Mahlzeiten die auch wirklich sehr gut waren, Übernachtung im Zelt auf dem Vulkan mit grandioser Aussicht und warmen Sachen zum leihen wie Mütze, Handschuhe, Jacke etc. Am Vortag haben wir uns noch ein paar Snacks und Bananen gekauft. Vorallem Wasser, Wasser und Wasser. 8 Liter haben wir mitgenommen.

Unsere Lehrerin Lety hat uns sogar für das Wochenende keine Hausaufgaben aufgegeben. Wir waren am Sonntag als wir wieder zu Hause waren eh nicht in der Lage dazu. Wir glauben Lety wusste es ganz genau.

Dann war es soweit. Der Tag ist gekommen. Samstag 06:30Uhr klingelte der Wecker. Mama Vicky hat uns netterweise noch ein leckeres Frühstück gemacht. Wir saßen am Frühstückstisch und glänzten noch ein wenig mit unserem frisch gelernten bis es an der Tür klingelte. Jetzt ging es wirklich los. Der Bus stand vor der Tür und der Fahrer fuhr uns ca.20 Minuten auf das Grundstück des Touranbieters. Nachdem wir unsere Rucksäcke gepackt und uns dicke Klamotten eingepackt haben, gab es noch eine kurze Einweisung. Uns wurde gesagt das es letzte Nacht -5° kalt war, 37 Eruptionen zu sehen waren und das der Weg sehr sehr anstrengend ist. Das hat uns jetzt auch nicht weitergeholfen. Dann wieder in den Van und nochmal ca.5  Minuten bis an den Startpunkt. Dort ausgestiegen sah man sofort wo man ist.

Staub…Überall schwarzer Staub und Vulkangestein. Uns wurde noch eine kleine Flasche Rum für 15 Quetzales (ca.1,72€) angeboten. Als mehrere aus der Gruppe zuschlugen konnte ich auch nicht nein sagen. Dann ging es los. In einer Reihe hintereinander liefen wir los. Mit fünf Guides verteilt von vorne bis hinten. Das unglaubliche ist…Man läuft nur zwei Minuten und der Weg wird sofort verdammt steil. Nach fünf Minuten waren wir so angestrengt, dass wir dachten „DAS GIBT KEINEN“

Anfangs waren wir noch recht zuversichtlich und hoch motiviert.

Allerdings gab es nach zehn Minuten die erste Pause. Erstens weil es wirklich verdammt anstrengend ist und zweitens um sich an die Höhe zu gewöhnen. Die Guides sagten, dass „nur“ die ersten beiden Stunden von ca.fünf anstrengend sind…

Sie haben gelogen.

Die kleinen Pausen gab es wirklich alle 10-15 Minuten. Nach zwei Stunden haben wir eine größere Pause eingelegt und es gab Mittagessen. Vor dem Mittagessen haben sich die ersten Personen übergeben. Wir wissen nicht genau ob es aus Erschöpfung oder wegen der Höhe war. Das Mittagessen war echt verdammt lecker.

Mittagspause 🙂

Als es dann weiter ging hatten wir das Gefühl es wurde immer steiler. Manchmal macht man einen Schritt vor und dann wieder zwei zurück. Irgendwann sagte mir einer aus der Gruppe das Sarah verletzt sei. Ich wartete und sah sie mit Tränen in den Augen um die Ecke kommen. Es war wohl eine Zerrung. Die Guides sagten das es noch eine Stunde bis zum Basecamp sei. Wir waren auch schon auf 3500m Höhe. Weit konnte es wirklich nicht mehr sein.

 

Die letzten zwei Stunden heißt es hoch humpeln, aber die Motivation gibt einem immer wieder Kraft

Die Guides waren so nett und haben Sarah angeboten ihren Rucksack zu tragen. Sie hat darauf bestanden alles selbst zu tragen und ist weiter gelaufen. Eins muss ich ihr ja lassen. Manchmal ist sie stur, aber wenn sie sich was vornimmt zieht sie es durch. Es war noch eine Stunde voller Schmerzen und die letzte Stunde war es tatsächlich nicht mehr so steil. Auf einmal aus dem nichts gab es einen riesen Knall und wir sahen eine riesen Rauchwolke. Da war er…Der aktive FUEGO…In seiner vollen Pracht und zeigt uns zur Begrüßung seine unfassbare Kraft. Auf dem nächsten Foto seht ihr unser Staunen.

Der erste Blick auf den Fuego.

Jetzt waren es nur noch zehn Minuten und wir haben es nach ca. 5,5 Stunden tatsächlich geschafft. Wir sind im Basecamp angekommen. 3500m über dem Meeresspiegel. Über den Wolken auf dem Vulkan Acatenango und sehen direkt neben uns den aktiven Vulkan Fuego. Man kann ihn fast anfassen so nah ist er. Einmal sehen wir ihn noch ausbrechen, bis er leider hinter einer dicken Wolkendecke verschwindet. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl genau das zu erleben.

Unser erster Blick auf den Fuego. ES HAT SICH GELOHNT!!

Als wir unser Zelt für die Nacht bezogen haben wurde es Zeit etwas über zu ziehen. Da oben wurde es minütlich kälter. Als die Sonne langsam verschwand würde es bitterkalt…Wir haben alles angezogen was wir hatten.


Zu unserem Glück verzogen sich die Wolken und wir hatten freie Sicht auf den alle ca. fünf Minuten ausbrechenden Vulkan. Die Guides machten ein wärmendes Lagerfeuer und es gab ein leckeres Abendessen. Sie nannten es „Dinner with a view“ und das war es wirklich.

Man hörte immer nur „Ahhhhhh…Ohhhh…Fuegooooo“


Das ging den ganzen Abend so. Ich kann es einfach nicht oft genug sagen…Es sah unbeschreiblich gut aus. Als es dann noch kälter und kälter wurde, kam die Flasche Rum zum Einsatz. Lecker war er und wir mussten feststellen, dass Alkohol auf der Höhe stärker wirkt.
Irgendwann haben wir aufgehört zu zählen wie oft wir die Lava und Gesteinbrocken in die Luft fliegen haben sehen. Als es noch kälter wurde sind wir dann ins Zelt und dachten wir können schlafen. Ähmm…Nö. Konnten wir nicht.

Die Nacht im Zelt war kalt, laut und aufregend.

Es war eiskalt, wir waren auf einer ungewohnten Höhe und der Fuego machte immer wieder einen Höllenlärm. Erst donnert es verdammt laut und dann hört man wie die Brocken auf den Boden donnern. Ein komisches Gefühl wenn man im Zelt liegt und nichts sieht. Plötzlich gegen kurz nach vier Uhr morgens gab es einen Knall…Der Boden hat gewackelt und das Zelt zog sich zusammen. Eine richtige Druckwelle. Wir haben noch nie in unserem Leben so einen Knall gehört. Ich habe sofort gesagt, dass war eine Rieseneruption. Völlig hektisch riss ich die Reisverschlüsse des Zeltes auf und wir sahen komplett rot. Der ganze Vulkan war komplett voller Lava und eine riesige Rauchwolke über ihm. Leider konnten wir das fotografisch nicht festhalten, weil es alles viel zu schnell ging und wir wie versteinert aus dem Zelt schauten.

Danach sind wir übrigens aufgestanden weil wir eh nicht schlafen konnten. Wir saßen am Lagerfeuer und bestaunten die ganze Zeit den Fuego. Dann wurde es am Horizont langsam hell. Die Sonne kam. Es war keine Wolke zu sehen und auf der Höhe hatten wir eine geniale Sicht. Ein verdammt schöner Sonnenaufgang.

Das beste daran war, so schnell es kalt wurde als die Sonne verschwand, wurde es auch schnell wieder wärmer als sie wieder kam. Danach gab es es Frühstück und wir bereiteten uns auf den Rückweg vor.

Breakfast with a View

Sarah’s Bein ging es zum Glück viel besser und wir machten uns mit als erstes auf den Weg nach unten. Schnell haben wir festgestellt, dass der Weg nach unten verdammt staubig, rutschig und anstrengend für die Oberschenkel wird. Man geht nicht, sondern rutscht quasi die meiste Zeit.

Merkt man auch daran das der Abstieg nur ca. drei Stunden dauert. Was auf dem Weg nach unten wirklich Spaß macht ist die ganzen Leute anzulächeln die einem entgegen kommen…Die machen jetzt den Scheiß durch den wir gestern erlebt haben und alle machen große Augen, weil wir aussehen wie Mitarbeiter aus der Kohlegrube. Schwarz im Gesicht und die Klamotten völlig verstaubt.

Dann war es soweit. Nach einer Kurve sahen wir eine Straße…Das war die Straße auf der wir aus dem Van geworfen wurden. Ca.200 Meter bis zum Ziel. Angekommen lachten wir uns an und Sarah meinte „Wir haben es echt gemacht“ Allen die runter kamen konnte man die Erleichterung im Gesicht ansehen.

WE DID IT 🙂 Danke Anna für dieses wunderschöne Bild 😀

Als wir unsere geliehenen Sachen abgegeben haben und wir wieder nach Antigua gefahren wurden, merkten wir das wir total im Arsch waren. Wir machten die Haustür auf und Gastmama Vicky begrüßte uns im Hof mit einem Herzlichen Glückwunsch zu diesem schönen Erlebnis. Wir sind direkt in unser Zimmer und wollten nur noch unter die Dusche. Wir waren beide noch nie im Leben so dreckig. Alle Klamotten wurden direkt eingepackt und in die Wäscherei gebracht und nach der Dusche sind wir erstmal ins Bett gefallen. Wir waren völlig im Arsch.

Am Abend haben wir uns dann ein leckeres Schnitzel gegönnt. Erstmal weil wir wirklich stolz auf uns waren diesen Vulkan bestiegen zu haben und zum anderen weil wir Jahrestag hatten…Nein nicht Sarah und ich. Wir waren auf den Tag genau 1 Jahr rauchfrei. Zwei Tage später, konnten wir kaum laufen und hatten Muskelkater an Stellen wo wir nie erwartet hätten Muskeln zu haben.

Am Ende können wir sagen, dass es das wirklich härteste aber auch geilste Erlebnis überhaupt für uns war…

Mal sehen was die Reise noch so bringt.
Saludos de Antigua Guatemala

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