Das weite Outback

Nach der zweiten Nacht in Hahndorf ging es nach dem Frühstück los. Tagesziel ist der Flinders Ranges Nationalpark. Man sieht schon von weitem die Gebirgsketten und auf dem Weg merkt man das man sich langsam von der Zivilisation entfernt. Es wird trockener, staubiger und rot. In dem Park gibt es schöne Aussichten wenn man mit dem Auto durchfährt. Sobald man über das Gebirge hinweg ist kommt nichts mehr. Man sieht einfach nur noch rote Erde und kann unfassbar weit gucken. Man glaubt das Ende der Welt zu sehen. Hier könnte man wirklich denken die Erde wäre eine Scheibe.

Über unsere Camperapp haben wir uns wieder einen kostenlosen Campingplatz rausgesucht. Mitten in der Natur im roten Sand. Unfassbar diese Stille hier. Noch unfassbarer ist der Sternenhimmel und die fast jede Nacht sichtbare Milchstraße. Die Fahrt geht weiter Richtung Nordwesten. Jetzt sind wir im richtigen Outback. Als Outback werden in Australien die Regionen genannt die weitab von der Zivilisation liegen. Zwei Drittel des Landes werden als Outback bezeichnet. 90% der Bevölkerung leben in der Nähe der Küste.

Jetzt ist alles rot und egal wo man hinschaut…Man sieht nur nackte rote Erde und es kommt einem fast kein Auto mehr entgegen. Wenn doch, dann ist es ein anderer Camper oder ein Roadtrain. Ein Roadtrain ist ein australischer LKW mit bis zu vier Anhängern und bis zu 54 Meter lang. Unglaublich was die für einen Wind machen können wenn sie einem entgegen kommen.

Wir machten halt auf einem Campingplatz mitten im nichts. Hier gab es nur Staub. Gekostet hat er 5 australische Dollar pro Person. Dafür gab es aber Toiletten und Duschen. Sah übrigens sehr komisch aus. Man sieht Kilometerweit nix und hier steht ein kleines Häuschen mit Duschen und Toiletten.

Am nächsten morgen wurde es Zeit meine Fahrkünste und Edgars Offroad Fähigkeiten zu testen. Tagesziel war Coober Pedy. Es gibt von hier aus mehrere Wege dorthin. Wir entschieden uns für den Oodnadatta Track. Eine unbefestigten Outdoorstraße nur für 4×4 Fahrzeuge geeignet.

Nach Coober Pedy waren es 370 Kilometer. Google Maps zeigt uns ca. 5 Stunden 35 Minuten Fahrzeit an. Edgar hat es in ca. 3 Stunden 35 Minuten geschafft. Macht Laune mit ca. 100Km/h über so eine Straße zu ballern. Manchmal zwar etwas holprig, aber spaßig.

Unterwegs passiert man den Lake Eyre. Ein Salzsee der ca. 6 mal pro Jahrhundert mit Wasser gefüllt ist und ungefähr halb so groß wie Sachsen ist. Das Ende sieht man jedenfalls nicht wenn man in die Ferne schaut. Er liegt übrigens 17 Meter unter dem Meeresspiegel und ist somit der tiefste Punkt Australiens.

Gegen Mittag sind wir dann in Coober Pedy angekommen. Der Ort ist bekannt für Opale. Ca. 70% der weltweit verkauften Opale kommen hierher. Das besondere hier ist, dass die meisten Menschen hier unter der Erde leben.Im Sommer werden es hier bis zu 45°C und in den Häusern unter Tage sind es ganzjährig angenehme 24°C. Man kann hier auch selbst nach Opalen Graben und ihn natürlich behalten wenn man einen findet. Es gibt sogar eine Kirche unter der Erde, verrückt.

Unser nächstes angepeiltes Ziel ist der Uluru, den meiste bekannt als der Ayers Rock. Das Wahrzeichen Australiens. Wer kennt ihn nicht, den roten Felsen mitten im nirgendwo. Also ging es weiter ca. 500 km Richtung Norden, um dann nach den 500km eine Linkskurve zu nehmen um weitere 300km in den Westen zu fahren. Verrückt wenn man das Navi einschaltet und es einem sagt, man soll die nächsten 500km nur geradeaus fahren.

Wir haben auf einem kostenlosen Campingplatz ca. 100km vor dem Uluru gehalten und entschieden die restlichen Kilometer früh morgens zu fahren. Die Campingplätze direkt am Uluru sind nämlich unverschämt teuer. So waren wir zwar noch ein Stück weg, aber hatten kostenlose duschen, nette Gespräche und leckeres Bier. Noch im dunkeln sind wir am nächsten Morgen losgefahren. Wir wollten den Uluru bei Sonnenaufgang sehen. Es wird einem zwar davon abgeraten im Outback im dunkeln zu fahren, aber Edgar ist hoch, stark und hat ja auch einen Rammbock vorne dran. Ein Känguru macht ihm nichts aus. Allerdings sind glaube ich eher die riesigen Kühe das Problem. Kamele soll es hier auch geben, was wir uns bis dahin allerdings noch nicht vorstellen konnten. Jedenfalls fuhren wir trotzdem. Langsamer, vorsichtiger, mit Fernlicht und extra Scheinwerfern. Ging gut.

Der Uluru ist schon verdammt beeindruckend. Wie er da einfach so steht. Nichts drumherum und die Farbe ändert sich mehrmals. Kommt immer darauf an wie die Sonne steht. Echt gigantisch. Um den Uluru ist übrigens ein Nationalpark. Der Eintritt kostet ca.15€ und man hat an drei aufeinanderfolgenden Tagen Eintritt. Absolut okay. Man kann hier mehrere Sachen machen. Verschiedene Tracks laufen, um den Uluru herumlaufen, herumfahren und und und. Wir sind erstmal herumgefahren und haben uns ein schönes Plätzchen zum Frühstücken gesucht.

Anschließend sind wir einen kleinen Track gelaufen und haben dann den Uluru bestiegen. Hoch bis zum Gipfel. Ganz schön anstrengend. Vorallem wegen der glatten Oberfläche und lediglich einem Seil zum festhalten.

Eigentlich sollte man ihn nicht besteigen. Er gilt den Aboriginies als Heilig. So etwas respektieren wir natürlich normalerweise. Allerdings ist es hier der Fall, dass in klein geschrieben darum gebeten wird es nicht zu tun und direkt daneben ein riesiges Schild mit den Zeiten wann man ihn besteigen darf. Wir denken uns, entweder oder. Wenn es ihnen so wichtig ist, sollen sie es verbieten. Dies soll wohl auch ab September dieses Jahres so eingeführt werden. Allerdings hört man aus Gesprächen mit Australiern heraus, dass die Aboriginies dieses Thema gerne immer wieder aufrollen um mediale Aufmerksamkeit zu bekommen. Dieses Thema steht wohl schon seit Jahren im Raum. Allerdings wird das in diesem Jahr vielleicht wirklich so geschehen. Vor ein paar Tagen haben wir erfahren, dass es sogar in deutschen Zeitungen gedruckt wurde.

Wir haben den ganzen Tag hier verbracht und schliefen wieder auf dem gleichen Campingplatz. Er lag sowieso auf dem Weg. Weiter ging es dann über den Kings Canyon, welchem wir aus Muskelkatergründen nicht so viel Aufmerksamkeit schenkten nach Alice Springs. Alice Springs ist ziemlich genau die Mitte Australiens im sogenannten Red Center und ist die abgelegenste Stadt Australiens. Von hier sind es in jede Himmelsrichtung mindestens 1500 Kilometer bis in die nächste Stadt. Irgendwie unvorstellbar. Hier waren wir waren übrigens leicht überfordert nach der „einsamen“ Zeit im Outback ohne viele Menschen, ohne Beleuchtung, ohne Geschäfte. Hier empfängt man nämlich plötzlich ca. 40 Kilometer vor der Stadt wieder Radiosender, es gibt Straßenbeleuchtung, Geschäfte und McDonald. Irgendwie makaber hier irgendwo im nirgendwo. Hier sind wir auch zum ersten mal so richtig mit den Ureinwohnern, den Aborigibies in Kontakt gekommen. Irgendwie sind sie uns unheimlich. Sie hängen hier auf den Straßen und in dunklen Ecken rum. Die Stadt sagt uns nicht wirklich zu, deshalb fahren wir direkt am nächsten Tag weiter.

Es soll Richtung Ostküste gehen. Wir haben uns spontan entschieden nach Cairns zu fahren und dann die Ostküste runter. Die Strecke von Alice Springs nach Cairns beträgt mal eben 3500 Kilometer. Die sind wir natürlich in mehreren Etappen gefahren. Als erstes geht es von Alice Springs nochmal 500 Kilometer in den Norden. Dort haben wir wieder einen super schönen Campingplatz gefunden. Übrigens haben wir es so langsam geschafft. Es wird wärmer. Inzwischen sind wir nämlich schon im tropischen Teil Australiens. Hier stehen wir zwischen großen roten Felsen mitten im Outback und bestaunen wie jeden Abend den Sonnenuntergang. Sonnenauf,- und Untergänge sind wirklich jeden Tag spektakulär.

Ein nettes australisches Pärchen lud uns an ihr Feuer ein und so verbrachten wir quatschen und Bier trinkend den Abend. Da wir langsam die ersehnte Wärme spüren, wollen wir mehr und fuhren am nächsten Tag ca. 750 Kilometer bis kurz vor Mount Isa. Das ist ca. die Mitte zwischen der Mitte Australiens und Cairns. Ziemlich platt genießen wir auch hier mal wieder die Ruhe und kochen uns in rotem Sand unser Abendessen. Einen Stop wollen wir noch einlegen und dann bis Cairns durchfahren. Der letzte Halt im Outback. Wir parken am Gilbert River und beobachten den ganzen Abend Kängurus und die nervigen Opossums ließen uns nicht schlafen. Sie schreien wie Kinder. Klingt echt komisch.

Am nächsten morgen starten wir früh. Weiter Richtung Osten, weiter Richtung Zivilisation. So langsam ändert sich wieder die Landschaft. Von staubigem Rot geht es wieder leicht ins Grün über. Plötzlich stehen wieder Bäume in der Gegend rum und am Horizont sind Berge zu sehen. Umso näher wir den Küste kommen, sehen wir auch wieder Wolken. Die ganzen Tage im Outback haben wir keine einzige Wolke gesehen. In den Bergen machen wir einen kurzen Stop, kochen uns einen Kaffee und essen etwas.

Sobald man die Berge überquert hat ist man wieder in der normalen Welt angekommen. Man sieht wieder Autos, die Straßen werden normal und es hier ist es tropisch grün. Das Wetter ist auch angenehm. Endlich warm.

Wir haben das Outback hinter uns gelassen. Wir finden es war eine super Erfahrung. Unfassbar sind diese Weiten. Man kann einfach unfassbar weit gucken. Die Dunkelheit und die Ruhe sind auch unglaublich, manchmal aber auch unheimlich. Jetzt legen wir noch die letzten Kilometer nach Cairns zurück.

Wie sind angekommen an der Ostküste.

Von dort dann bald mehr.

P.S. Wir haben jetzt knapp 7000 Kilometer auf der Uhr.

Grüße aus Australien

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