Australiens Ostküste Teil I

Wir sind schon verdammt weit gekommen. Dieses Land ist einfach riesig. Man muss sich allerdings auch vor Augen halten, dass es ein ganzer Kontinent ist. Europa passt locker rein und dann wäre immernoch Platz. Einfach riesig. Übrigens ist es in Cairns endlich richtig warm. Wir können Nachts offen schlafen. Mega, wenn man hinten im Zelt liegt, die Augen aufmacht, links und rechts überall rascheln hört und unzählige Sterne sieht. Hier in Cairns sind wir nach den ganzen Tagen im Outback mal auf einen bezahlten Campingplatz gefahren. Die sind hier erstaunlich günstig. In Deutschland sind Campingplätze definitiv teurer. Man muss allerdings auch mal erwähnen, dass der Kurs aktuell sehr gut steht. 1 AUD sind aktuell 64€ Cent. Die letzten Jahre war er wohl meistens bei ca. 1:1. Dann ist natürlich alles um einiges teurer. Cairns hat uns wirklich gut gefallen. Netter Ort, nette Menschen und nettes Beachflair.

Mit jeweils einer Übernachtung in Mission Beach und Townsville war der nächste Halt der Airlie Beach. Nach zwei Tagen schlechtem Wetter begrüßte uns der Ort mit feinstem Sonnenschein. Dies sollte glücklicherweise auch so bleiben. Hier haben wir das Auto auch mal stehen lassen und sind wieder viel zu Fuß gelaufen. Es gibt einen kleinen Walk an der Küste entlang. Ca. eine Stunde bis in den kleinen Ort.

Wir haben uns hier sowohl gefühlt, dass wir ganze vier Tage geblieben sind. Eigentlich war der Ort hauptsächlich auf unserer Liste um die Vor der Küste liegenden Whitsunday Islands zu besuchen. Die Strände auf den Inseln zählen wohl zu denen mit dem weißesten Sand weltweit. Allerdings hatte ich andere Pläne. Seit langer Zeit möchte ich einen Fallschormsprung wagen. Sarah meinte immer, dass sie es niemals tun würde. Passt eigentlich überhaupt nicht zu ihr, sonst macht sie schließlich auch jeden Scheiß wie z.B. einen Bungee Jump von der höchsten Brücke der Welt in Südafrika (216m). Naja jedenfalls wollten wir uns beide Aktivitäten nicht leisten, da solche Dinge in Australien recht teuer sind. Als wir durch das Örtchen schlenderten , entdeckte ich das Büro von „Skydive Australia“ und ich wollte mich nur mal informieren und einen Flyer mitnehmen. Da ich nicht unbedingt alleine springen wollte, musste ich Sarah bei einem Bier überreden es mit mir zu wagen. War einfacher als gedacht. Ich brauchte nur ein Argument. Die Whitsunday Islands und das Great Barrier Reef von oben sehen. Das ist nämlich quasi im Preis eines Fallschirmsprungs mit drin. Ein Bier später haben wir unseren Sprung für den nächsten Morgen gebucht.

Während Sarah die Nacht überhaupt nicht schlafen konnte, habe ich geschlafen wie ein Stein bis der Wecker mich aus dem Schlaf riss. Ich hatte solch eine Vorfreude. Obwohl ich ja echt nicht gerne fliege. Irgendwie beruhigt es mich total, dass man ja im Notfall einen Fallschirm hat und herausspringen könnte. Bekloppt ich weiß. Schnell was gefrühstückt, einen Kaffee getrunken und los in das Büro zum Treffpunkt. Man bekommt eine kurze Sicherheitseinweisung und ein Geschirr angelegt und dann geht es auch schon per Minibus zum Flugfeld.

Dort war ein kleiner TV mit unseren Namen und die Namen der Springer mit denen wir das Vergnügen hatten. Wir waren insgesamt sieben Leute und nur eine hat es bereits schon mal getan. Plötzlich kommt Ben um die Ecke und fragt: „Who’s Sarah?“ Als die beiden sich bekannt machen, kommt auch schon Sam um die Ecke und ruft nach mir. Ben und Sam waren uns auf Anhieb sympathisch. Sie schafften direkt Vertrauen indem sie uns über unsere Reise und ein paar persönliche Dinge fragten. Als Sam dann sagte, dass er schon mehr als 9300 Sprünge auf der Uhr hat, war ich noch beruhigter. Dann ging eigentlich alles ganz schnell.

Das Miniflugzeug kommt vorgefahren und man steigt in Sprungreihenfolge ein. Sarah war Nummer drei und ich Nummer fünf. Man sitzt dann vor seinem Springer rückwärts auf dem Boden. Direkt auf die Startbahn und dann ist der Schuhkarton auch schon in der Luft. Der Flug in der Schachtel war erstaunlich angenehm. Allerdings wurde es immer kälter und kälter. Die wahnsinns Aussicht hat allerdings alles andere getoppt. Einfach geil.

Nach ca. 20 Minuten fuchtelte Sam plötzlich an mir rum, zieht alle Gurte fest und meint nur: „We are connected Daniel“. Ich habe nur genickt. Jetzt wurde mir erst klar, was ich hier eigentlich für einen Scheiß mache. Ich gucke noch kurz zu Sarah rüber und sehe ihr die inzwischen gewonnene Freude in den Augen an. Verdammter Adrenalin-Junkie!! Plötzlich dreht der Pilot Richtung Inland ab und ein rotes Licht leuchtet. Fertig machen heißt es. Als es orange leuchtet schob der erste Springer das Rolltor auf. Ein beschissenes Gefühl. Eiskalt und was für ein gewaltiger Wind in die Schachtel zieht. Alle Springer feuern sich noch kurz an, die Ampel springt auf grün. Da wippt der erste Springer schon nach vorne aus der Tür und weg war er. „Ach du Scheiße.“  Hörte sich an, als wenn er von einem riesigen Staubsauger eingesaugt wurde. Nummer Zwei war auch raus. Dann war Sarah an der Reihe. Zack weg und Nummer Vier. Kacke ich bin Nummer Fünf. Da saß ich auch schon vorne auf der Kante. Die Beine baumeln in der Luft und Sam sagte „Let’s go“. Da war ich auch schon im freien Fall. 60 Sekunden, ein unglaubliches geiles Gefühl.

Man hat das Gefühl, als würde es nie enden. Man sieht nur die Erde auf sich zu rasen, bis es einen verdammt hart nach oben zieht. Ein wenig schmerzhaft, aber doch beruhigend da man weiß, dass der Schirm offen ist. Ein paar Minuten gleitet man durch die Luft bis man sicher auf dem Boden landet.

Sarah hat schon auf mich gewartet. Unsere ersten Worte „Lass das direkt nochmal machen.“ Irgendwann definitiv.

Den restlichen Tag haben wir die Sonne genossen und unseren Adrenalinpegel wieder auf Normalzustand gebracht. Den Ort haben wir natürlich auch noch erkundet. Er ist sehr klein, aber total gemütlich. Es gibt auch eine kleine Lagune. Direkt am Ozean und mit Meerwasser gefüllt, da man hier leider aufgrund der Strömungen, gefährlichen Quallen und Haien nicht schwimmen kann.  Das ganze ist sogar kostenlos.

Weiter ging es die Ostküste runter. Wir machren einen Halt im Eungella Nationalpark. Hier soll man viele Schildkröten und Schnabeltiere sehen können. Unsere Gedult wurde tatsächlich belohnt. Wir sahen eine ganze Menge von beidem.

Gecampt haben wir an diesem Abend im Cape Hillsbrough Nationalpark. Direkt am Wasser. Das besondere, auf dem Campingplatz hoppeln immer wieder Kängurus vorbei und morgens in aller frühe kann man sie bei ihrer Morgenpflege am Strand beobachten. Sah wirklich super aus und es waren wirklich viele Kängurus.

Im Radio kam die Meldung das ein Sturmtief auf den Teil der australischen Ostküste zukommt indem wir uns gerade befinden und ein paar Tage wirklich schlechtes Wetter sein soll. Man soll sogar die Küstengebiete meiden, wenn es möglich ist. Klingt nicht so gut. Natürlich kann man auch bei schlechtem Wetter campen. Aber Edgar ist nunmal kein richtiger Camper und wenn es regnet hat man nicht viele Möglichkeiten als sich ins Bett zu legen, oder auf Fahrer,- und Beifahrersitz auszuharren. So entschieden wir uns ein paar Kilometer zu machen und ein Stück weiter zu fahren als geplant. So gab es nur einen kurzen Zwischenstop in Bundaberg. Dort ist die Destellerie des gleichnamigen Rums. Lecker das Zeug.

Also ging es anschließend direkt durch bis nach Hervey Bay. Der Whale Watching Spot überhaupt. Allerdings sind wir genau eine Woche zu früh. Die Touren starten erst in einer Woche. Solange können wir leider nicht warten und hoffen auf einen anderen Spot. Ganze drei Tage haben wir in Hervey Bay verbracht. Zum einen weil der Ort echt schön ist und zum anderen haben wir hier nur die Ausläufer des Unwetters abbekommen und gewartet bis der Himmel wieder blau wurde. Montags sollte es wieder schön sein. In totalem Vertrauen, dass es wirklich so ist, organisierten wir Sonntags unsere Tickets für die Fähre nach Fraser Island. Die größte Sandinsel der Welt. Sie besteht tatsächlich ausschließlich aus Sand. Das besondere, man kann Kilometerweit am Strand entlang fahren. Allerdings nur bei Ebbe. Also genauer gesagt, 2,5 Stunden vor und nach Tiefstand. Diese Zeiten sollte man dringend einhalten, ansonsten packt einen die Flut und zieht einen samt Auto in den Ozean. Bestimmt nicht so geil. Auch seine Campgrounds muss man hier im voraus planen und genauestens angeben. Fraser Island ist in mehrere Zonen eingeteilt. Wir haben uns für drei Zonen, sprich für drei Nächte entschieden. So konnten wir entspannt die ganze Insel abklappern.

Es hat total Spaß gemacht mit Edgar über die Sandpisten zu heizen. Auch wenn es manchmal etwas schwierig war und auch mal ein oder auch mal zwei Reifen in der Luft standen. Das ein oder andere mal dachten wir tatsächlich, Edgar bricht in der Mitte durch oder wir kippen um. Die Tierwelt auf Fraser Island ist auch besonders. Man kann viele Spinnen beobachten, aber auch Australier welche sich die Spinnen einfach auf den Arm setzen und damit spielen.

Noch interessanter auf Fraser sind allerdings die Dingos. Das sind Wildhunde und quasi eine Plage auf der Insel. Sie wurden irgendwann mal eingeschleppt und heute leben geschätzt ca. 300 Stück auf der Insel. Für Erwachsene stellen sie in der Regel keine Gefahr dar. Für Kleinkinder und Teenager allerdings schon. Aufgrund der Körpergröße werden sie als Beute angesehen. Ich habe Sarah natürlich gleich gewarnt🤣

Man bekommt aber schon bevor man auf die Insel fährt ein ganzes Prospekt mit Verhaltensweisen für den Fall der Fälle.  Das Wichtigste, niemals einen Dingo füttern. Denn dadurch gewöhnen sie sich noch mehr an den Menschen und verlieren immer mehr Scheu.

Die Zeit auf Fraser Island war wirklich geil. Es gibt einige wirklich sehenswerte Highlights.

Unser Highlight war auf jeden Fall der Lake Mckenzie. Ein riesiger See mit einer unglaublich türkisen Farbe. Einfach nur genial. Hier haben wir auch endlich das Stand Up Paddle ausprobiert, welches wir bereits seit Wochen mitschleppen. Besser gesagt, Edgar schleppt es. Sarah hat es gleich hinbekommen und ich hab sie fast gar nicht mehr aus dem Wasser raus bekommen. Ich hab mich auch ganz gut geschlagen, allerdings nur auf meinen Knien.

Nach drei Tagen haben wir die Insel im Süden wieder Richtung Festland verlassen. Irre wenn die Fähre kommt und am Strand mitten im nirgendwo anlegt. Eine wirklich besondere Insel.

Auf dem Festland angekommen brauchen wir dringend eine Tankstelle. Denn wir haben ja unsere Luft von ca. 2,7 Bar auf ca. 1,4 Bar abgelassen. Unsere Reifen waren also quasi komplett platt. Waren aber zum Glück nur 6 km bis zur nächsten Tankstelle.

Wie es von hier aus weitergeht folgt im zweiten Teil, sonst würde dieser Beitrag nich länger werden als er schon ist.

Bis dahin. Grüße aus Australien.

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