Khao Lak -Auf den Spuren des Tsunami

Es war eine abenteuerliche Fahrt. Typisch Asien, typisch Thailand. Nachdem wir erstaunlicherweise zu früh im Hotel auf Samui abgeholt wurden, ging es erstmal zum Hafen. Dort mussten wir unser Ticket gegen ein anderes Ticket tauschen. Das ist in Thailand wirklich überall so. Überall wo man sein Ticket zeigt, wird es einbehalten und man bekommt ein anderes in die Hand gedrückt. Spätestens nach dem dritten tausch steht dann kein Wort mehr auf Englisch drauf und man muss sich überraschen lassen wo es als nächstes hingeht. An dem Hafen sind wir dann in einen anderen Bus gestiegen und mit diesem auf die riesige Fähre gefahren.

Als wir dann in Surat Thani am Hafen anlegten, drückte uns der Fahrer unsere Backpacks in die Hand und stammelte irgendwas von „Bus Number One“. Gar nicht so einfach wenn man von gefühlt 300 Bussen umgeben ist. Jetzt heißt es ruhig bleiben. Es sind nämlich 33°C, eine Luftfeuchte von 91% und jeden den du nach „Bus Number One“ fragst zeigt auf einen anderen. Irgendwann hat sich ein Busfahrer, den wir übrigens schon fragten ob er „Bus Number One“ sei, dazu entschieden doch der gesuchte Bus zu sein und winkte uns zu sich. Er schaute uns nur an als wollte er sagen „warum seid ihr denn nicht schon eingestiegen?“ –  Na weil du eben panisch abgewunken hast als wir fragten ob du „Bus Number One“ bist. Ich sage ja, ruhig bleiben. Nach ungefähr einer Stunde hielt der Bus an, der Fahrer schaute zu uns und signalisierte uns, dass wir aussteigen müssen. Wir zeigten ihm das Ticket und versuchten ihm zu erklären das wir noch lange nicht am Ziel sind. Interessierte ihn wenig. Wir stiegen aus, bekamen wieder unsere Backpacks in die Hand gedrückt und sahen unserem „Bus Number One“ hinterher. Plötzlich kam ein älterer Thai angerannt und bittet uns mit zu kommen, der nächste Bus kommt gleich. Wir folgten ihm also in eine Hütte. Immerhin konnte man hier auf die Toilette und eine nette Frau hat Snacks und Getränke verkauft. Der Thai war übrigens total nett und sprach ein perfektes Englisch. Er rief sogar noch in unserem Hotel an und schrieb uns einen Zettel mit der richtigen Adresse für den Busfahrer.

Nach einer halben Stunde sitzen wir in seinem Pick Up auf dem Weg zum Busbahnhof. Nach ca. 15 Minuten setzte uns direkt vor einem ziemlich heruntergekommenen Bus ab. Wir bedankten und verabschiedeten uns. Dann drückten wir dem Busfahrer den geschriebenen Zettel in die Hand, er nickte und gestikulierte das wir einsteigen sollen. Es folgte eine vierstündige Fahrt in einem Bus ohne Stoßdämpfer, eine reine Schaukelfahrt. Dafür hatten wir genug Platz im Bus und waren mal wieder die einzigen Touristen. So kommt man schon mal schnell mit Einheimischen ins Gespräch, wenn auch manchmal nur mit Händen und Füßen.

Als wir nach fast zehn Stunden endlich in Khao Lak ankommen, werden wir schon von unseren Hotelbesitzern erwartet. Die Fahrt ging nochmal ca. 10 Minuten durch den Dschungel, bis wir endlich in unserem Zuhause für die nächsten 7 Tage angekommen sind.

Fast Vier Stunden später als geplant, aber ich verspreche euch, dass fast jeder Transport in Südostasien so ähnlich verlaufen wird, zumindest wenn man die Fahrt selber organisiert hat. Man gewöhnt sich dran und inzwischen finden wir es total lustig. Außerdem sieht man verdammt viel von der Umgebung und lernt sehr oft sehr nette Menschen kennen.

Khao Lak liegt ca. 80km nördlich von Phuket. Dieser Ort ist bei Touristen sehr beliebt. Es ist auch der Ort in Thailand, welcher damals bei dem schweren Tsunami an Weihnachten 2004 am stärksten getroffen wurde. Wir wollten vor zwei Jahren während unserer Rundreise schon hierher, aber irgendwie hat es dann doch nicht in die Route gepasst. Jetzt hat es sich ergeben, da wir in der Nähe waren und von hier aus am günstigsten wieder weg kommen. Win-Win.

Unser kleines Hotel hatte nur sechs kleine Häuschen und einen wirklich schönen Pool. Dank Nebensaison waren wir die einzigen Gäste und hatten somit eine Art Privatpool. Die Nebensaison hat schon so seine Vorteile. Nicht nur den Pool den wir für uns alleine haben, sondern auch unsere Hütte, für die wir 15€ die Nacht inkl. Frühstück bezahlen. In der Hauptsaison kostet sie mal eben 55€ die Nacht. Die Besitzerin Muggda und ihr Mann Nasching wohnen auch dort und waren vom ersten Moment an unglaublich herzlich. Direkt im Hotel haben wir uns noch einen Roller ausgeliehen und sind erstmal sofort los uns die Umgebung anschauen. Khao Lak ist sehr lang, es erstreckt sich über ca. 40km und hat einige Strände zu bieten. Allerdings ist hier aktuell Monsunzeit und daher gibt es leider ziemlich hohe Wellen.

Viel mehr interessiert uns hier die Geschichte des Tsunami. Damals kamen die Wellen ohne Vorwarnung. Heute gibt es ein Warnsystem. Überall wo man hinschaut stehen Evakuierungsschilder auf denen genau steht in welche Richtung man im Notfall laufen soll. Allein hier in Khao Lak sind damals weit über 4000 Menschen gestorben, tausende wurden verletzt und hunderte werden heute noch vermisst.

Hier steht auch das berühmte Polizeiboot 813. Es wurde damals über zwei Kilometer ins Landesinnere gespült, wo es heute noch steht. Unglaublich wenn man davor steht. Es ist ein relativ großes Boot und es ist nur schwer vorstellbar mit was für einer Kraft die Wassermassen dieses Boot hierher gespült haben müssen. Es ist schon ein komisches Gefühl hier am Strand zu sitzen und zu wissen, was hier vor einigen Jahren schreckliches passiert ist.

Morgens beim Frühstück erzählte uns Muggda auch viele spannende Geschichten über den Tsumami. Sie selber hat damals nicht hier gelebt, da sie über 20 Jahre in Frankreich war. Ihre Eltern und ihre acht Geschwister waren aber in der Region bzw im nur  wenigen Kilometer entfernten Phuket. Die Familie hatte großes Glück, sodass Ihnen sowie ihren Häusern nichts passiert ist. Die Erinnerung und die Bilder daran werden aber wohl unvergesslich bleiben.

Muggda war eine hervorragende Gastgeberin und hat uns jeden Morgen ein leckeres Frühstück gezaubert. Es gab jeden Morgen andere Früchte und sie hat uns jede Frucht gezeigt und probieren lassen. Wusstet ihr das Thailänder Salz über eine Passionsfrucht streuen, damit sie noch saurer ist? Wir auch nicht, aber es schmeckt fantastisch. All diese Früchte wachsen übrigens hier in Muggda’s Garten. Ein wirklich schöner Ort.

Eines morgens beim Frühstück fragte Muggda ob wir Lust hätten fischen zu gehen. Sie und Nasching waren vor 14 Tagen schon mal beim Shrimp-Fischen und hatten viel Spaß. Wir sagten natürlich ohne zu zögern zu, denn dies sind meistens die besonderen Momente auf unserer Reise.

Um 15 Uhr machen wir uns mit Muggda ihrem Mann und ihrem Bruder auf den Weg. Eine ganze Stunde fahren wir durch den Dschungel bis wir am Ziel ankommen. Hier herrscht absolut kein Tourismus mehr, so gefällt uns das.  Ein kleines Häuschen, eine kleine Hütte mit Küche, noch eine kleinere Hütte mit einer Toilette und ein ca. 4m x 10m großer Teich, indem die Shrimps darauf warteten geangelt zu werden.

Jeder bekommt eine Angel, Köder ran und ab ins Wasser damit. Die Köder waren übrigens lebende Baby Shrimps. Im 15 Minuten Takt wurde essen serviert. Shrimps in allen möglichen Variationen. Gekocht, gebraten, frittiert oder lebende Baby Shrimps in einem scharfen Salat Einfach verdammt lecker und außergewöhnlich.

Muggda’s Bruder Noon packte noch eine Flasche Thai Whiskey aus und schenkte mir einen ein. Sarah blieb lieber bei leckerem Chang. So ging das die nächsten Stunden weiter. Angeln, Essen, Bier, Whiskey und lustige Unterhaltungen.

Moon kann normalweise kein Wort Englisch, nach der ersten Flasche Whiskey verstanden uns allerdings wie beste Freunde. Inzwischen hatten wir sogar Erfolg, denn ich habe bereits drei Shrimps und einen Fisch gefangen.

Die wurden dann gleich zum Abendessen verarbeitet. Am Ende waren wir ganze acht Stunden beim Fischen. Eigentlich war eine Stunde geplant, aber wie es immer so ist, wenn es Spaß macht und man sich gut versteht, soll man es genießen.

Mein neuer Freund Noon lud uns für den nächsten Abend noch zum Grillen ein. Dies war definitiv einer der leckersten Abende unserer bisherigen Reise. Muggda ist eine ausgezeichnete  Köchin und Nnon hat verdammt leckeren Fisch gegrillt.

Muggda, Nasching und Noon machten allerdings große Augen und beobachteten uns neugierig als wir anfingen zu essen. Denn für Touristen ist das Essen in Thailand meist angepasst, die Einheimischen essen deutlich schärfer als man es als Tourist im Restaurant auf den Teller bekommt. An diesem Abend bekamen wir also die volle Ladung thailändische Chilli auf den Tisch und es war köstlich. Es war wirklich verdammt scharf, aber lecker.

Nach dem Grillen stellte Noon natürlich wieder eine Flasche Whiskey auf den Tisch und wir machten da weiter wo wir gestern aufgehört haben. Es war ein sehr lustiger Abend und eine sehr schöne Zeit hier bei diesen Menschen.

Solche Menschen wie diese machen unsere Reise unvergesslich. Wer mal in Khao Lak ist und wirklich authentische Thai Kultur erleben möchte sollte unbedingt zu Muggda und Nasching.

Für uns war es wieder Zeit unsere Backpacks zu packen. Unsere Reise geht weiter.

Das nächste Reiseland wartet. Land Nummer 12.

Von dort dann bald mehr. Vorerst letzte Grüße aus Thailand

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